Schikane im Netz

Die Anonymität des Internets lässt die Hemmschwelle für Mobbing sinken. Wird nicht frühzeitig interveniert, können die Folgen für die Betroffenen gravierend sein. Mit dem TV-Movie „Nackt. Das Netz vergisst nie.“ sensibilisiert SAT.1 die Öffentlichkeit für das gesellschaftsweite Problem und unterstreicht damit sein nachhaltiges soziales Engagement.

Virtuelle „Beichtstühle“ auf der Fotoplattform Instagram stehen bei deutschen Schülern derzeit hoch im Kurs. Religiöse Motive sucht man unter dem Hashtag #beichten jedoch vergebens – um Sünde, Schuld oder Reue geht es nicht. Hier posten Schüler Bekenntnisse, die sich nicht selten auf Klassenkameraden oder Lehrer beziehen. „Die Inhalte der Beichtgeständnisse variieren von harmlosen Witzen bis hin zu persönlichen Beleidigungen und Unterstellungen, in denen die Betroffenen namentlich genannt werden“, erklärt Günter Steppich, Lehrer und Fachberater für Jugendmedienschutz am Schulamt Wiesbaden. Seine digitale Wochenbilanz: Vier Fälle von Cybermobbing per Instagram-Beichten, in zwei davon wurde Strafanzeige wegen Verleumdung gestellt. Die Aufklärungschance ist hoch. „Den Betreibern dieser Beichtstuhl-Seiten ist meist nicht bewusst, dass sie auf Instagram keineswegs anonym agieren“, unterstreicht Steppich.

Es geht rau zu an vielen deutschen Schulen. Seelische und körperliche Gewalt ist oft an der Tagesordnung, so die jüngst veröffentlichte Sonderauswertung der Pisa-Studie 2015 zum Wohlbefinden von Jugendlichen in aller Welt. In Deutschland wird fast jeder sechste 15-Jährige regelmäßig Opfer von Mobbing in der Schule. Und nicht nur dort. Denn in Zeiten von Social-Media-Angeboten wie WhatsApp, Snapchat, Twitter und Co. beschränkt sich das Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen und Isolieren längst nicht mehr auf Klassenzimmer oder Pausenhof. Schon in Grundschulen bilden sich WhatsApp-Gruppen wie „4b ohne Laura“.

Chatverlauf (Illustration)

Laut der aktuellen JIM-Studie (Jugend, Information, (Multi-) Media) des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest nutzen 95 Prozent aller Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren fast täglich den Messenger-Dienst. Auf Platz zwei der Aktivitäten im Netz folgt Instagram, das von gut der Hälfte der Jugendlichen mehrmals pro Woche besucht wird. Auf die Frage, ob sie selbst schon mal per Handy oder Internet fertig gemacht wurden, antworteten rund 8 Prozent mit „Ja“. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil auf 13 Prozent. „Mobbing ohne Cyber gibt es praktisch nicht mehr, und Cybermobbing macht die Demütigung wirksamer und für die Opfer noch furchtbarer“, verdeutlicht Birgit Kimmel, pädagogische Leiterin der EU-Initiative Klicksafe für mehr Sicherheit im Netz.

Während sich beim „klassischen“ Mobbing das Wissen darüber auf eine begrenzte Anzahl von Teilnehmern beschränkt, kann nun praktisch jeder teilhaben, wie Opfer rund um die Uhr massiv attackiert werden. Entkommen ist unmöglich. Und der Versuch, die Attacken abzustellen, gleicht einem Kampf gegen Windmühlen, wie das SAT.1-Drama „Nackt. Das Netz vergisst nie.“ eindrucksvoll zeigt.

  • Standbild aus dem Film „Nackt. Das Netz vergisst nie.“ (Foto)

    Als Laras (Aleen Kötter) Nacktbild im Internet auftaucht, wird die Schülerin ausgegrenzt und verspottet. Mutter Charlotte (Felicitas Woll) kämpft im SAT.1-Drama „Nackt. Das Netz vergisst nie.“ mit aller Macht gegen den Erpresser – mit Erfolg: Zusammen mit anderen Betroffenen kann sie dem Täter schließlich das Handwerk legen.

  • Standbild aus dem Film „Nackt. Das Netz vergisst nie.“ (Foto)

    Als Laras (Aleen Kötter) Nacktbild im Internet auftaucht, wird die Schülerin ausgegrenzt und verspottet. Mutter Charlotte (Felicitas Woll) kämpft im SAT.1-Drama „Nackt. Das Netz vergisst nie.“ mit aller Macht gegen den Erpresser – mit Erfolg: Zusammen mit anderen Betroffenen kann sie dem Täter schließlich das Handwerk legen.

  • Standbild aus dem Film „Nackt. Das Netz vergisst nie.“ (Foto)

    Als Laras (Aleen Kötter) Nacktbild im Internet auftaucht, wird die Schülerin ausgegrenzt und verspottet. Mutter Charlotte (Felicitas Woll) kämpft im SAT.1-Drama „Nackt. Das Netz vergisst nie.“ mit aller Macht gegen den Erpresser – mit Erfolg: Zusammen mit anderen Betroffenen kann sie dem Täter schließlich das Handwerk legen.

  • Standbild aus dem Film „Nackt. Das Netz vergisst nie.“ (Foto)

    Als Laras (Aleen Kötter) Nacktbild im Internet auftaucht, wird die Schülerin ausgegrenzt und verspottet. Mutter Charlotte (Felicitas Woll) kämpft im SAT.1-Drama „Nackt. Das Netz vergisst nie.“ mit aller Macht gegen den Erpresser – mit Erfolg: Zusammen mit anderen Betroffenen kann sie dem Täter schließlich das Handwerk legen.

  • Standbild aus dem Film „Nackt. Das Netz vergisst nie.“ (Foto)

    Als Laras (Aleen Kötter) Nacktbild im Internet auftaucht, wird die Schülerin ausgegrenzt und verspottet. Mutter Charlotte (Felicitas Woll) kämpft im SAT.1-Drama „Nackt. Das Netz vergisst nie.“ mit aller Macht gegen den Erpresser – mit Erfolg: Zusammen mit anderen Betroffenen kann sie dem Täter schließlich das Handwerk legen.

„Selber schuld, wie kann man nur so naiv und leichtsinnig sein?“ Vor allem bei Mobbing mit Nacktfotos ist das oft der erste Gedanke. „Zuerst sind solche Bilder ein Zeichen von Liebe und Vertrauen und dann...“, beschreibt es Mobbing-Opfer Amal im SAT.1-Film. Einmal in Umlauf gebracht, sei es aus Rache, Eifersucht oder pubertärem Potenzgehabe, beginnt eine Leidensgeschichte aus Scham, Angst und Selbstzweifeln bis hin zu Suizidgedanken. Mit Empathie können die meist betroffenen Mädchen und Frauen kaum rechnen. Denn mehr noch als bei der klassischen Variante gilt beim Cybermobbing: Zuschauer und schadenfrohe Mittäter sind Teil des Systems.

Cybermobbing ist ein ernst zu nehmendes, gesellschaftliches Problem geworden.

Kaspar Pflüger, Geschäftsführer SAT.1

Sich Hilfe zu holen und Eltern, Lehrer oder die Schulleitung zu informieren, ist kein leichter Schritt. „Viele versuchen, das alleine durchzustehen. Die Öffentlichkeit der Beleidigungen ist etwas wahnsinnig Belastendes für die Betroffenen. Die Angst ist riesig“, erklärt Nina Pirk, Fachberaterin beim Dachverband des Vereins Nummer gegen Kummer, der seit mehr als 30 Jahren kostenlose, anonyme Beratung für Kinder und Jugendliche bietet.

#AugenAUF
Felicitas Woll in der Online-Kampagne #AugenAUF (Foto)

Beleidigungen, verletzende Aussagen und peinliche Bilder gehören nicht ins Netz – so lautet die klare Botschaft des Thementags, mit dem SAT.1 im April 2017 auf das Problem Cybermobbing aufmerksam gemacht hat. Die TV- und Online-Kampagne #AugenAUF wurde in Zusammenarbeit mit der EU-Initiative klicksafe.de sowie bekannten Persönlichkeiten aus TV und Internet realisiert und über die sendereigenen Plattformen sowie auf den Facebook- und Youtube-Kanälen der Testimonials verbreitet. [M7]

www.sat1.de/tv/augenauf

Erwachsenenwelt in der Hosentasche

Das Gefühl, mit dem Klick auf Teilen oder den Like-Button Unrecht zu tun, fehlt vielen. „Wir hören nur allzu oft das Argument, dass es ja ‚nur ein Spaߒ war. Aber das ist weder moralisch noch strafrechtlich ein Entschuldigungsgrund“, sagt Stefan Middendorf, für Prävention zuständiger Medienexperte beim LKA Stuttgart. Denn die rechtliche Situation ist eindeutig: Cybermobbing fällt unter verschiedene Paragraphen des Strafgesetzbuchs und des Urheberrechts. Der Gang zur Polizei findet immer häufiger statt. „Es werden deutlich mehr Fälle zur Anzeige gebracht“, bestätigt Middendorf.

Damit es gar nicht so weit kommt, ist Vorbeugung gefragt. „Umfangreiche Aufklärung ist die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung von Cybermobbing“, betont Jugendmedienschutz-Experte Steppich. Doch geschulte Lehrer, Schulsozialarbeiter und -psychologen sind Mangelware. Und anders als etwa in Holland, wo alle Schulen seit 2015 per Gesetz verpflichtet sind, dauerhafte Präventionsmaßnahmen durchzuführen, ist es deutschen Schulen freigestellt, aktiv zu werden. Aber auch die Eltern sind gefordert, sich mehr mit der Medienwelt der Jugendlichen auseinanderzusetzen. „Vielen Eltern ist noch immer nicht klar, dass ein Smartphone kein einfaches Handy ist“, klagt Lehrer Steppich. „Schon Grundschülern die komplette Erwachsenenwelt in die Hosentasche zu stecken, ist keine so gute Idee.“

500.000 Jugendliche

Auf die Frage, ob sie schon einmal selbst von Mobbing betroffen waren, antworten 8 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren mit „Ja“. Dies entspricht einer Größenordnung von etwa 500.000 Jugendlichen in Deutschland.1

34 Prozent

In der Altersgruppe der 12- bis 19-Jährigen gibt jeder Dritte (34 %) an, dass in seinem Bekanntenkreis schon einmal jemand im Internet oder per Handy fertig gemacht wurde.1

1 Quelle: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest / JIM-Studie 2016

Nackt. Das Netz vergisst nie.
Felicitas Woll im Film „Nackt. Das Netz vergisst nie.“ (Foto)

Als ein Nacktbild ihrer 16-jährigen Tochter Lara im Internet auftaucht und die Familie erpresst wird, will Mutter Charlotte (Felicitas Woll) Gerechtigkeit. Doch je mehr sie im SAT.1-Drama „Nackt. Das Netz vergisst nie.“ gegen den Erpresser kämpft, desto mehr bekommt sie die ungeheure Macht des Netzes zu spüren. Einfach offline zu gehen, sich „den Dreck nicht dauernd reinzuziehen“, wie Filmvater Marcus (Martin Gruber) seiner geschockten Tochter (Aleen Kötter) rät, ist keine Alternative. In der Schule leidet Lara unter Spott und Häme ihrer Mitschüler, schließlich wenden sich sogar ihre Freunde von ihr ab. Auch die Polizei ist machtlos. „Im Internet fährt keiner Streife“ – diesen Satz bekommt Charlotte von einer Beamtin zu hören.

Basierend auf dem realen Schicksal der kanadischen Schülerin Amanda Todd, die wie 38 weitere Opfer jahrelang von einem mittlerweile verurteilten 38-jährigen Niederländer mit Nacktfotos erpresst wurde und sich 2012 im Alter von 15 Jahren das Leben nahm, thematisiert der SAT.1-Film den scheinbar aussichtslosen Kampf einer Mutter, dem Täter zusammen mit anderen Betroffenen, Verfolgungsbehörden und Internetexperten das Handwerk zu legen. Es gelingt: Das Portal wird geschlossen – doch es ist ein Pyrrhussieg, da eine der Mitkämpferinnen ihre psychischen Verletzungen nicht mehr erträgt und Selbstmord begeht.

„Cybermobbing ist in den letzten Jahren ein ernst zu nehmendes, gesellschaftliches Problem geworden, das nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene aller Altersgruppen betrifft. „Als großer Sender wollen wir mit unserem Programm die Zuschauer auch für Themen wie dieses sensibilisieren“, begründet SAT.1-Geschäftsführer Kaspar Pflüger den Einsatz, mit dem der Sender rund 2,62 Millionen Zuschauer (ab 3 Jahren; Marktanteil: 11,2 Prozent bei 14 - 49 Jahre) erreichte. „Nackt. Das Netz vergisst nie.“ ist bereits der dritte Themenfilm, der das nachhaltige Engagement des Senders zeigt: Das Drama „Die Ungehorsame“ über häusliche Gewalt sahen 2015 rund 3,58 Mio Zuschauer (ab 3 Jahren; Marktanteil: 12,8 Prozent bei 14 - 49 Jahre). Der Film erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den 3sat-Publikumspreis für die authentische Umsetzung des Themas. 2016 erreichte das Organspende-Drama „Zwei Leben. Eine Hoffnung.“ rund 2,28 Mio Zuschauer (ab 3 Jahren; Marktanteil: 9,2 Prozent bei 14 - 49 Jahre). ProSiebenSat.1 nutzt seine Expertise als Unterhaltungskonzern, um schwierige Themen emotional aufzubereiten und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. [M7]

Produzenten: Christian Becker, Martin Zimmermann, Regie: Jan Martin Scharf

http://www.sat1.de/film/der-sat-1-filmfilm/nackt-das-netz-vergisst-nie

»ACHTSAM MIT INFORMATIONEN UMGEHEN«

Pascal Raddatz, Cyber Security Analyst, ProSiebenSat.1 Media SE

Pascal Raddatz, Cyber-Security Analyst, ProSieben Sat.1 (Foto)

Im SAT.1-Film „Nackt. Das Netz vergisst nie.“ landet Laras Handy-Foto im Netz, obwohl sie es nie verschickt hat. Wie können sich Smartphone-Nutzer gegen Missbrauch schützen?

Pascal Raddatz: Wichtig sind vor allem regelmäßige Updates des Betriebssystems. Diese schließen häufig auch Sicherheitslücken. Darüber hinaus sollte auf unerwünschte Nachrichten, sogenannten Spam, per E-Mail, Instant Messenger, SMS oder MMS nicht reagiert werden – schon allein die Bestätigung, dass zum Beispiel die E-Mail valide ist und gelesen wird, ist ein wertvoller Hinweis für Angreifer. Smartphones sollten mit einem sicheren Passwort, Pincode oder einem Fingerabdruck gegen physische Angreifer geschützt werden. Vorsicht ist auch bei öffentlichen WLAN-Netzwerken geboten. Hacker können sie nutzen, um Smartphones anzugreifen, das heißt Kommunikation mitzuhören und zu manipulieren.

Was muss beim Umgang mit Apps beachtet werden?

Raddatz: Apps sollten nur über die offiziellen Plattformen der Hersteller installiert werden. Vor allem bei kostenlosen Apps sind die Daten des Nutzers oft das eigentliche Produkt. Das Betriebssystem steuert über Zugriffsberechtigungen, auf welche Ressourcen – etwa SMS, Nachrichten, Bilder, Kontakte oder den aktuellen Standort – die jeweilige App zugreifen darf. Generell gilt: Die Zugriffsberechtigung sollte bei Installation überprüft, gegenüber dem Zweck der App abgewogen und im Zweifelsfall entzogen werden. Eine App, die Notizen speichert, braucht keinen Zugriff auf Telefonbuch, SMS oder Kamera.

Beim Mobbing werden oft falsche Identitäten genutzt. Wie kann man sich dagegen schützen und die Identität der Absender überprüfen?

Raddatz: Man muss sich darüber im Klaren sein, dass vieles im Internet gefälscht ist. Es gilt, achtsam mit Informationen umzugehen, sie nicht wahllos zu teilen und Profile nicht „öffentlich“ zu nutzen. Bei Zweifeln sollte man versuchen, den Absender aktiv zu verifizieren, zum Beispiel über das Telefon zu kontaktieren.

Unterliegen Medienunternehmen einem erhöhten Risiko, ins Visier von Hackern zu geraten?

Raddatz: Angreifer nehmen verschiedene Branchen ins Visier. Wir sind uns dieser Gefahren bewusst und beschäftigen uns – gerade im Wahljahr – auch intensiv mit politisch oder aktivistisch motivierten Angriffsszenarien. In Zusammenarbeit mit internen und externen Sicherheitsexperten, Kollegen der Medienbranche, aber auch staatlichen Stellen, erarbeiten wir effektive Maßnahmenpakete. Neben den technischen Schutzmaßnahmen spielen dabei auch interne Mitarbeiterschulungen eine große Rolle.

Auch auf den Social-Media-Fanpages der Sender tauchen immer wieder beleidigende Kommentare auf. Was passiert, wenn die Netiquette nicht eingehalten wird?

Raddatz: Das Community-Management auf den Facebook-Seiten der Free-TV Sender und einigen Formatseiten ist Aufgabe der Zuschauerredaktion. User-Kommentare werden aufmerksam gescannt und Diskussionen falls erforderlich moderiert. Werden Grenzen überschritten, kommen verschiedene Maßnahmen in Betracht, die vom freundlichen Hinweis auf den begangenen Fauxpas bis hin zur Sperrung des Users oder – bei deutlich diffamierenden Beiträgen – zur Prüfung des Accounts über die Meldefunktion von Facebook reichen. Strafrechtlich relevante Kommentare sind selten, können aber zur Prüfung einer Anzeige an unsere Juristen weitergeleitet werden. Gerade bei Beleidigungen muss jedoch die Anzeige seitens des Betroffenen erfolgen. Dazu muss ein konkreter Personenkreis oder eine Einzelperson aus dem Kommentar klar hervorgehen.